Dieses Programm wurde am 31. Mai 1998 in der Programm- Tagung der Föderation der Aleviten - Gemeinden in Europa e.V. (AABF) verabschiedet.
(Stand: 31.MAI 1998 )
PROGRAMM DER FÖDERATION DER ALEVITEN-GEMEINDEN IN EUROPA (AABF) e. V. (Stand: 31. Mai 1998)
 Stolberger Straße 317, 50933 Köln
Tel.: 02 21 / 94 98 56 0
Fax: 02 21 / 94 98 56 10
  INHALT
 1) Der geschichtliche Überblick über die AABF
2) Die Ziele der AABF
3) Die Charakterisierung des Alevitentums
 4) Unsere Grundanschauung von der alevitischen Lehre
5) Die Grundsätze der AABF und ihre Auffassung über Alevitenorganisation
 6) Unsere Grundhaltung im demokratischen Kampf
 7) Die Frau im Alevitentum
8) Die AABF und die Jugend
9) Die Meinung der AABF über andere Glaubensrichtungen und Völker
 10) Die von der AABF gewünschte Türkei
 11) Die Grundhaltung der AABF zum Umweltproblem
 12) Die Forderungen der AABF an die Türkei
 13) Die Forderungen der AABF an Europa
 1) Der geschichtliche Überblick über die AABF
 Der Organisationsprozeß der Aleviten im Ausland beginnt im Grunde genommen mit der Gründung der Föderation der Patrioten Vereine (Yurtseverler Birliği Federasyonu) durch den Zusammenschluß der Patrioten Vereine (Yurtseverler Birliği). Diese Organisation hat jedoch in der Zeit um 1983 fast aufgehört, zu existieren.
 Die Organisation der Aleviten in Europa hat im Jahr 1986 mit der Gründung der Aleviten-Bektataschi- Vereine in den Städten Mainz, Frankfurt, Dortmund, Köln, Heilbronn, Stadtallendorf, Hamburg, Berlin, St. Pölten, Duisburg, München, Stuttgart und Ahlen eine neue Form erhalten.
 Die im Jahr 1988 begonnenen Arbeiten führten mit dem Zusammenkommen der 7 Vereine am 17.01.1991 zur Gründung der Föderation Alevitischer Gemeinschaften in Deutschland (Almanya Alevi Cemaatleri Federasyonu). Mit dem Eintreten neuer Vereine in die Föderation wurde sie im Jahre 1992 umbenannt zu „Föderation der Aleviten-Gemeinden in Deutschland e.V.“ (Almanya Alevi Birlikleri Fedrasyonu)
Nebst Neugründungen traten noch die bis dahin nicht beigetretenen Vereine von Berlin, Hamburg, Köln, und Mannheim in die Föderation ein; somit erhöhte sich die Anzahl der Vereine in der Föderation im Jahr 1993 auf 44.
 Das Umschlagen der Unterdrückung der Aleviten mit dem Feuer- Massaker in Sivas am 2. Juli 1993 in die offene Massenvernichtung brachte die Verstärkung des Widerstandes gegen die Gewalttaten und Gemetzel mit sich. Als Folge dessen traten die bis dahin nicht organisierten Aleviten zu Hunderten in die Alevitenvereine ein, und wurden in Dutzenden von Städten neue Vereine gegründet.
 An den in den Jahren von 1993-95 von der AABF organisierten Protestdemonstrationen und Kulturaktivitäten nahmen ca. 250.000 Menschen teil. Die größten von diesen sind die mit über 60.000 Beteiligten Protest - Demonstration am 10.Juli 1993 gegen Feuermassaker in Sivas und die mit 50.000 Beteiligten am 18.März 1995 in Köln stattgefundene Protest - Demonstration gegen Gazi-Massaker.
 In der gleichen Zeit , nämlich am 1. Juli 1995, wurde der 1.Alevitische Kulturfestival in Heilbronn veranstaltet, womit auch mit der Alevitischen Festivaltradition begonnen worden ist.
 Nach Eintritt der Vereine aus Holland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und England in die Föderation Alevitischer Vereine in Deutschland wurde am 31. Oktober 1994 die Satzung der Föderation den neuen Erfordernissen angepaßt und der Name der Föderation wurde als „Föderation der Aleviten-Gemeinden in Europa e.V.„(Avrupa Alevi Birlikleri Federasyonu) kurz AABF abgeändert.
In der Satzungstagung der AABF am 25. November 1997 wurde beschlossen, die Europaweite Organisation in Form einer „Konföderation“ zu gestalten.
Im Gefüge der AABF wurden bis heute verschiedene Unterorganisationen verwirklicht und die Schaffung separater Gremien für jeden Bereich ans Ziel gesetzt. Als Ergebnis davon sind in der Struktur der AABF folgende Beiräte und Kommissionen entstanden:
- Kommission von Dedeler (Dede: religiöser Führer der Aleviten)
 - Alevitische Jugend in Europa
 - Alevitische Frauen in Europa
 - Kommission für Medien
 - Kommission für Kunst und Kultur
 - Kommission für Bildung, Forschung und Wissenschaft
 In der Zeit von 31.10-02.11.1997 haben die Kommissionen der AABF
 - f.ür Wissenschaft, Forschung und Bildung und die HAK-DER FÖDERATION in Holland gemeinsam die Aleviten-Akademie zu Europa und - die Aleviten-Stiftung zu Europa gegründet.
2) Die Ziele der AABF
 Die durch den Satzungskongreß vom 29-30.Oktotober 1997 bestätigten Ziele der AABF sind folgende:
 2.1. Die AABF kämpft dafür, daß der alevitische Glaube in der Türkei unter Verfassungsgarantie gestellt wird.
 2.2. Die AABF ist eine demokratische Massenorganisation und ihre Aktivitäten sind mit den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland konform. Sie ist kein Anhängsel irgend einer politischen Gruppierung.
 2.3. Die AABF zielt darauf hin, daß alle Menschen in Europa, Einheimischen wie Eingewanderten, auf der Basis der Gleichberechtigung miteinander leben; sie tritt für Frieden und freundschaftliche Beziehungen aller Völker ein.
 2.4. Die AABF respektiert die universalen Prinzipien des Rechts, die Menschenrechte und Freiheit und verteidigt sie unter allen Umständen.
2.5. Die AABF macht bei ihren Aktivitäten keinen weltanschaulichen, religiösen, nationalen od. ethnischen Unterschied.
2.6. Die AABF verwirklicht ihre Ziele direkt selbst und durch ihre Mitgliedsvereine.
 2.7.Das Hauptziel der AABF: Die AABF betreibt Aktivitäten zum Schutz und zur Weiterentwicklung kultureller Eigenständigkeit, religiöser und philosophischer Werte der in Europa lebenden Aleviten.
 a) Die AABF bemüht sich, um die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Aleviten zu sorgen. Das Ziel ist, daß die Aleviten eigene Kultur und Eigenständigkeit schützen und dabei mit den Völkern im Lande, in dem sie leben, harmonieren.
b) Auf der Basis gegenseitiger Toleranz fördert die AABF das friedliche Zusammenleben der Menschen mit verschiedenem Glauben und von unterschiedlicher Kultur.
c) Zur Verbreitung von Alevit-Bektaschi-Kultur, -Glauben, und - Lehre eröffnet die AABF Cem Häuser (Gebetshäuser), Bibliotheken; veranstaltet Kultur- Abende, Konferenzen, Theater, Kurse, Seminare, u.ä. Aktivitäten; setzt die Medien (Presse, Rundfunk, ...). ein.
 d) Damit die Alevit-Bektaschi-Kultur lebendig und dauerhaft bleibt, und deren universale Werte in die Öffentlichkeit gebracht werden, betreibt die AABF wissenschaftliche Forschungen, gibt solche in Auftrag, gründet Akademien, Vereine und Kommissionen.
e) Sie sorgt für die Sammlung, Aufbewahrung und Ausbreitung wertvoller Werke auf diesem Gebiet mittels Stiftungen, Bibliotheken und Archive.
f) Zum Gedenken nahmhafter Personen wie Dede, Ozan (Volks -Lieder- Sänger, Dichter) aus der Alevit-Bektaschi Kultur bereitet die AABF alle notwendigen Aktivitäten vor.
2.8. Die AABF arbeitet mit aller Kraft darauf hin, daß unter den Religionen und Glaubensrichtungen gegenseitiger Respekt und ein freundliches Klima herrscht und die Vorurteile abgebaut werden. Damit die Toleranz und der Frieden in der Gesellschaft dauerhaft werden, pflegt die AABF Kontakte zu allen demokratischen, laizistischen, religiösen, kulturellen und politischen Vereinigungen und Gesellschaften, die den alevitischen Glauben akzeptieren und unterstützen; bei Bedarf arbeitet sie mit ihnen zusammen.
 2.9. Die AABF tritt den unterschiedlichen Behandlung von Menschen wegen ihrer Rasse, Religion, Glauben, Glaubensrichtung, Sprache und Geschlecht entschieden entgegen.  In der Frage der Frauenrechte zählt die AABF zu ihren Prinzipien, sehr sensibel zu sein, und übernimmt jede Anstrengung auf sich auf, damit die Frauen in der Gesellschaft gleiche Rechte und Chancen haben. Sie bildet in der Föderation Frauenausschüsse, damit die Frauen die Fragen, die sie betreffen, in eigener Regie erörtern können.
 2.10. Die AABF setzt sich dafür ein, daß alle mit Herkunfts- (Türkei) und Einwanderungsland (Deutschland) zusammenhängenden Probleme der eingewanderten Minderheiten aus der Türkei (Türken, Kurden, Lasen, Tscherkessen u.a.) menschenwürdig und angemessen gelöst werden.
 Sie unterstützt mit aller Kraft die Schaffung eines zeitgemäßen Klimas, in dem unsere Landsleute ihr Anliegen jeglicher Art durchsprechen können. Sie unterstützt die sozialen, kulturellen und politischen Anstrengungen der Einwanderervereinigungen, im besonderen die Anstrengungen der Mitgliedsvereine zur Lösung sozialer Probleme.
 2.11. Die AABF unterstützt die Forderungen und die Interessen der in Europa lebenden Einwanderer aus der Türkei. Sie verteidigt auch, daß die Einwanderer mit den Einheimischen im Einwanderungsland gleichberechtigt in Frieden leben. Daher tritt sie der Fremdenfeindlichkeit, dem Rassismus und den Übergriffen auf Fremden entschieden entgegen. Sie strebt mit den Vereinen und Gesellschaften freundschaftliche Dialoge an, die sich um die Lösung gesellschaftlicher Probleme kümmern; gegebenenfalls arbeitet sie mit ihnen zusammen.
 2.12. Die AABF pflegt freundschaftliche Beziehungen zu den Vertretern der Alevit-Bektaschi-Kultur und –Glaubenslehre aus der Türkei (Personen und Gesellschaften) und unterstützt alle Initiativen, die dazu beitragen, daß die Türkei ein demokratisches, modernes Land ist. Sie fördert den Zusammenhalt der Aleviten- Gemeinden.
Um ihre Ziele zu erreichen, gründet die AABF Frauen- und Jugendvereine, Fonds für Sterbehilfe, Stiftung, Kooperative, Institut, Bibliothek; bildet Sportgruppen, Kommissionen für DEDELER, setzt Presse - Rundfunk (Publikation) ein, betreibt Bildung, Wissenschaft u. Forschung u. ä.; sie kann für bestimmte Aufgaben bestimmte Personen und Institutionen beauftragen.
 3) Die Charakterisierung des Alevitentums
 Das Alevitentum ist ein lebensphilosophisch anzusehendes Glaubenssystem.
Ein Alevit:Â Â
- trägt die Heiligkeit von Allah (Gott), Mohammed, Ali (Schwiegersohn von Mohammed) in seinem Herzen,
- ist Alis Gerechtigkeit absolut treu (Er verstößt niemals gegen Alis Gerechtigkeitssinn),
-beherbergt in seinem Herzen die Menschenliebe,
- achtet und toleriert jede Religion, Konfession, Glaubensrichtung,
- macht keine diskriminierenden Unterschiede wegen Sprache, Religion, Rasse, Farbe,
- stiehlt nicht, lügt nicht, geht nicht fremd (Er zügelt seine Hände, seine Zunge, seinen Geschlechtstrieb),
 - ist aufrichtig, freundlich, barmherzig, gerecht, liebevoll,
- legt sehr großen Wert auf Wissen (Wissenschaft),
- strebt die Vollkommenheit an,
- wendet sich angstfrei und mit Liebe dem Gott hin,
- sieht den Gott und Menschen als Einheit an,
Im Alevitentum:
 -finden alle gläubigen Menschen, die dorthin kommen, seelsorgliche Aufnahme und Beistand,
- werden Prinzipien wie Gleichheit, Gleichberechtigung, Anteilnehmen verteidigt, die es ermöglichen, daß die Menschen in der Gesellschaft freiwillig sich selbst beherschen können,
- gibt es keinen Platz für das fanatische Scheriatsrecht und wird es strikt abgelehnt,
- wird der Islam anders interpretiert als im Sunnitentum - (Alevitische Auslegung des Islams unterscheidet sich wesentlich von der des Sunnitentums, in der starre fanatische Religionsgesetze herrschen.),
- haben die Werte wie Ethik, Anstand fundamentale Bedeutung,
- wird der Mensch als höchst erhaben betrachtet,
- ist das Wissen (Bildung) genau so wichtig und wertvoll wie die göttliche Kraft,
- wird die Religion nicht formal (starre unveränderliche Gesetze u. Vorschriften) angesehen, sondern als Glaube wahrgenommen; sie wird als Willenskraft und tieferer innerer Sinn evolutioniert. In der Synthese der Vernunft und des Glaubens wird die Religion vereinheitlicht.
– werden alle aufgezählten Werte und Tugenden durch Kırklar - Cemi (Gebet von 40 - Heiligen) inspiriert.
4) Unsere Grundanschauung von der alevitischen Lehre
 Das Fundament unserer Alevitischer Identität besteht aus der Lehre und der von unseren Ahnen zu uns überkommenen Ansammlung von Kultur und Glaube.
 Die uns bindende und zusammenhaltende Kraft ist, früher wie heute, unsere Lehre. Unsere Lehre zu lernen steht daher an erster Stelle unserer Aufgaben.
 Das Alevitentum unterscheidet sich vom Bektaschi-Orden kaum. Das Alevitentum umfaßt den Bektaschi-Orden und andere Menschen mit gleichen Glaubensgrundlagen. Der Bektaschi-Orden ist eine der Richtungen im Alevitentum. Der Sufismus ist auch ein Teil des Alevitentums.
Die örtlichen Traditionen, Bräuche und Überlieferungen sind unser Reichtum. Wir bemühen uns, sie zu schützen und schriftlich festzuhalten. In den Gesellschaften, in denen Alevitische Menschen aus verschiedenen Orten gesammelt sind, richten wir uns nach Gemeinsamkeiten.
 Wir versuchen bei unseren Aktivitäten Atmosphäre zu schaffen, in der die jüngeren und älteren Generationen in gegenseitiger Achtung und Liebe voneinander lernen können. Wir glauben an die Notwendigkeit, daß die Älteren mit Geduld und Toleranz unsere Kultur und unseren Glauben den Jüngeren weitergeben, damit das Alevitentum erhalten bleibt.
Da der Glaube kein Gegenstand der Naturwissenschaften sein kann, brauchen die Maßstäbe der Naturwissenschaften für den Glauben nicht unbedingt zu gelten.
Trotz kultureller und historischer Verbindungen zu Sunnitentum und auch zu Schiitintum im Iran sind die Unterschiede zwischen ihnen und unserer Lehre ganz offensichtlich. Zu diesen Unterschieden zählen unter anderem:
- völlige Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau,
- verschiedene Strafsysteme,
- statt Gottesfurcht, Gottesliebe in unserer Lehre,
- tolerante Auffassung über den Menschen,
- Verbot gleichzeitiger Heirat mit mehreren Frauen,
- unverzichtbarer Platz von Musik und Semah (Tanz) im Gottesdienst,
- tolerante Auffassung über andere Glauben und schöne Künste,
- Fasten zu Muharrem (Muharrem:erster Monat des isl. Mondjahres),
- Cem-ayini (Bezeich. für den Gottesdienst der Aleviten)
Cem hat im Alevitentum eine fundamentale Bedeutung:
Ein Alevit kann in der Cem-Versammlung:
- seiner verstorbenen Verwandten gedenken,
- ein Opfertier anbieten,
- sein Lokma (Lokma  =festliches Mahl) zur Verfügung stellen,
- gesehen, gefragt werden (Er ist dort unter seinesgleichen) und nicht zuletzt
- das Alevitentum, Semah, 12 Dienlichkeiten lernen.
Das Cem ist für Aleviten
- eine Schule;
- ein Gericht,
- Solidarität,
- Zusammensein und schließlich
- ein Gottesdienst.
 5) Die Grundsätze der AABF und ihre Auffassung über die Alevitenorganisation
 Unsere Organisation richtet sich nach unserer Lehre. Bei Aktivitäten unserer Organisationen werden Toleranz, Liebe, Bescheidenheit, sein und alle anderen Werte im Sinne des Alevitentums zu fördern ganz groß geschrieben.
Im Alevitentum sind Neid, Eifersucht, Hochmut, Arroganz, Haß, das Gerede hinterher, das Geschwätz, Verleumdung, Fluchen, Lügen, Morden verboten.
Trotz Überlieferung des Alevitischen Glaubens und der Alevitischen Kultur von unseren Großvätern und Ozans (Volksdichtern) bis zu unserer Zeit ist die Organisation für heutige Bedürfnisse nicht ausreichend.
 Alle ,die Alevitischer Herkunft sind, ,die sich als solche fühlen, ,und die das Existenzrecht des Alevitentums verteidigen, können Mitglieder in unseren Organisationen werden.
 Das Hauptziel unserer Organisationen ist, das Alevitentum aufrecht zu erhalten, bekannt zu machen und zu entwickeln.
Um dieses Ziel zu erreichen:
Die AABF kämpft für die Glaubensfreiheit.
Die Schließung der Derwischklöster hat den Aleviten die Freiheit beraubt, uneingeschränkt zu beten. Es ist auch eine Unsitte und ein Widerspruch, den Leichnam eines Aleviten, der in seinem Leben nie in die Moschee geht, aus der Moschee zu tragen, muß abgeschafft werden. Es müssen die gesetzlichen Voraussetzungen nach Alevitischem Glauben geschaffen werden, damit die Menschen frei nach ihrem Glauben leben und ihre Cem-Zeremonien und ihre Opferfesttraditionen zeitgemäß organisiert werden können.
Die AABF unternimmt gemäß ihrem Ziel erzieherische und kulturelle Aktivitäten.
Bis ausreichend geeignete Kultur und Erziehungseinrichtungen auf die Beine gestellt werden, müssen die heutigen Alevitischen Organisationen diese Lücke ausfüllen und den neuen Generationen die Lehre und Kultur des Alevitentums übermitteln. Die heutigen Alevitischen Organisationen müssen die Aufgabe übernehmen, die Alevitische Kultur lebendig zu halten, zu verbreiten und zu modernisieren. Die Saz- und Semahkurse (Musikinstrument- und Tanzkurse) von heute sind nicht genug. Das wichtigste Mittel hierfür sind die Medien.
 Die AABF beschafft sich ihre finanziellen Quellen selbst.
Die Aleviten müssen alle ihre Organisationen selbst finanzieren. Insbesondere der neue Aufbau der Organisation muß sich außerhalb der Hilfe von offiziellen Stellen in Europa in erster Linie auf eigene Quellen also auf eigene Kraft verlassen.
Die AABF ist pluralistisch und tolerant.
Obwohl die Auffassungen (Geisteshaltung) aller Aleviten über Alevitentum im Wesen gleich sind, gibt es örtliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Tradition und Bräuche. Diese Unterschiede sollten als Vielfalt betrachtet werden und ihnen in der AABF Lebensraum gegeben sein. In den europäischen Städten hat das Alevitentum aus verschiedenen Gegenden der Türkei eine wichtige Synthese erfahren. Das ist eine große Chance zur Selbstfindung des Alevitentums.
Im politischen Kampf verfolgt die AABF eine klare Linie.
Die AABF arbeitet, wie in ihrer Satzung bestimmt ist, überparteilich. Andererseits, um die oben aufgezählten Ziele ins Leben zu erreichen, müssen zunächst die Voraussetzungen geschaffen und die Rechte errungen werden, damit sie in Frieden und Freiheit verwirklicht, geschützt und verteidigt werden können. Dies ist nur möglich, wenn die Alevitischen Organisationen eine starke politische Kraft werden. Sie müssen in der Lage sein, Ungerechtigkeiten gegen sie – im demokratisch- wissenschaftlichen Rahmen – angemessen zu begegnen.
 Die AABF unterstützt die politischen Interessen der Minderheiten und Emigranten.
Wir, die Aleviten in Europa, zählen sowohl zu Minderheiten als auch zu Emigranten. Daher muß sich die Alevitische Organisation mit den anderen Minderheiten- und Emigrantenorganisationen solidarisieren und auf allen Bereichen, insbesondere im Kampf für Gleichberechtigung, zusammenarbeiten.
 Die AABF und die Symbole.
 Dem Charakter unserer Lehre entsprechend respektieren und achten wir jedes Volk und die ethnische Identität unserer Mitglieder. Wir sind aber gegen Rassismus und Nationalismus.
„ Betrachte 72 Nationen als Eins „ ist unser Prinzip. Wegen seiner Nationalität darf niemand bevorteilt und auch nicht benachteiligt werden. Wichtig ist die Arbeit unserer Mitglieder für das Alevitentum.
In unseren Vereinen befinden sich Bilder, und Mittel und Wege aufzeigende Sprüche von unseren Gelehrten wie Hz. Ali (Hz. = Hazret: Ehrentitel für heilig geltende Personen), 12 Imamlar (Ali und seine Nachfoger) und Hacı Bektaş Veli u.a.
Jeder unwissenschaftlicher Weg führt zu Finsternis (Hacı Bektaş Veli)
Die türkische Fahne ist ein Symbol, das die Türkei repräsentiert, und sie ist auch die offizielle Fahne aller Gläubigen einschließlich der Aleviten. Als Staatsbürger der Türkei achten wir sie.
In Cem Versammlungen (Ritual, religiöse Feier) und in den Räumen , wo die Gottesdienste stattfanden, waren die Fahnen, die ja Symbole für Nationen darstellen, in der Vergangenheit nicht aufgestellt, auch heute sollten sie nicht aufgestellt werden.
 ATATÜRK ist der Gründer des Staates „ REPUBLIK DER TÜRKEI.“ Er ist kein Religionsführer. Während wir für den Kampf gegen Scheriat (Staatsform nach Religionsgesetzen) und für die Festigung der Republik eintreten, können wir die Mängel und Fehler nicht ignorieren. Für Aleviten, die ihr Land lieben und gegen die Fehler politischer Parteien sind, sollte die Frage, ob die Türkische Fahne und Atatürksbilder in den Vereinsräumen hängen oder nicht, zu keinem Streitthema gemacht werden.
Unsere Organisation ist die Erscheinung des offenen Auftretens aus dem Verbot und aus der Verborgenheit. Wir haben großes Verständnis für alle unsere Geschwister, die noch nicht offen auftreten, da wir auch seinerzeit uns verborgen halten mußten. Wir arbeiten jedoch mit aller Kraft dafür, daß auch sie so schnell wie möglich unseren Organisationen beitreten. Dies erfordert der Lebenskampf des Alevitentums.
In Anbetracht der modernen Kommunikationsmittel und Organisationsprinzipien muß die von historischen Lebensumständen erzwungene Geheimhaltung sofort aufgegeben werden. Vor der Auswanderung vom Dorf in die Städte und ins Ausland konnten unsere Aleviten-Gelehrten ihren Kindern das Alevitentum in der begrenzten Dorfkultur nicht ausreichend beibringen. In dem Maße, wie stark wir organisiert sind, wird unsere Kultur mit Einsatz von modernen Kommunikationsmitteln (Fernseher u.a.) den zukünftigen Generationen weitergegeben werden können.
Die Veröffentlichungen über unsere Lehre und Kultur haben der Organisation des Alauitentums , besonders in den letzten Jahren, sehr viel beigetragen. Wir erhoffen von unseren Autoren und Forschern, daß sie über unsere Geschichte und Kultur noch mehr, noch richtiger, noch breiter und ausführlicher forschen und veröffentlichen.
Unser Gegner ist nicht der Sunniten-Islam, unser Gegner sind all diejenigen, die sich zum Ziel setzen ( davon träumen !), das Scheriatrecht in einem totalitären Regime einzuführen und uns zu zwingen, in einem solchen zu leben. Wir sind auch gegen eine Staatspolitik, die den verschiedenen Glaubensrichtungen nicht den gleichen Abstand hält (nicht neutral ist) und dadurch den Laizismus erschwert, sogar gefährdet. Wir sind entschieden dagegen, daß z.B. die staatliche Verwaltungsorganisation für Religion nur das Sunnitentum unterstützt, aber in erster Linie Alevitentum und alle anderen Glaubensrichtungen mißachtet, daß in den staatlichen Schulen auch die Schüler anderer Glaubensrichtungen gezwungen werden, ausschließlich das Sunnitentum zu lernen.
In der Geschichte sind unsere Vorfahren oft gegen Ungerechtigkeiten aufständisch geworden. Diese Aufstände sind meistens mit Massaker und viel Schmerz beendet. Wir gedenken aller und hegen große Achtung vor ihnen, die ihr Leben opferten. Wir werden sie niemals vergessen und dafür sorgen, daß sie niemals vergessen werden.
Wir sind uns bewußt, daß wir, solange wir eine starke, miteinander genietete (solidarische) Alevitische Einheitsorganisation nicht schaffen können, noch von vielen Massaker betroffen sein werden.
Wir haben uns beschlossen, statt verstummt zu sterben, uns aufgebäumt zu leben!
Beugt Euch vor Ungerechtigkeit NICHT ! Hz. Ali
 6) Unsere Grundhaltung im demokratischen Kampf
Die Auffassung der AABF über die Freiheit.
 Die Freiheit ist die wichtigste Voraussetzung, damit sich die Persönlichkeit, Fassungsvermögen sowie auch die Fähigkeiten und Schaffungsvermögen der einzelnen Personen ohne Hemmnisse ständig weiter entwickeln können.
Die in ihrer Lehre den Menschen als heilig ansehende Alevitische Organisation verteidigt die Glaubens- und Denkfreiheit an vorderster Stelle. Sie verteidigt und unterstützt an erster Stelle die Organisationsfreiheit und alle Grundrechte des Menschen.
Die Auffassung der AABF über die Gleichheit.
Die AABF verteidigt in jedem Lebensbereich die Gleichheit der Personen, von der gerechten Verteilung bis zur Ausbildung (Alle Menschen sollen gleiche Chance haben.).
Die AABF verteidigt, -wie ihr Glaube und ihre Lehre auch es fordern-, die völlige Gleichheit (Gleichberechtigung) und Gemeinsamkeit von Mann und Frau.
Die AABF ist sich bewußt über den großen Reichtum von Anatolien an Völkern, Glauben und Kulturen. Sie verteidigt, daß alle Völker, Glauben und Kulturen mit ihren Naturgegebenheiten auf jedem Gebiet gleiche Rechte haben, und sie mit ihren eigenen Ausdrucksweisen angenommen werden müssen.
Niemandem, keiner Institution, keinem Volk und keinem Glauben dürfen Privilegien gewährt werden, die diese Gleichheit zerstören. Es darf keine das Gleichheitsprinzip aufhebende „Überlegenheit“ als Erbe akzeptiert werden. Die AABF kämpf gegen solche Privilegien gemäß ihrem Glauben und Menschenrechten.
 Die Auffassung der AABF über die Demokratie.
Der Frieden und die Demokratie sind Teile eines unteilbaren Ganzen. Darunter, daß der Frieden und die Demokratie in der Türkei noch keinen festen Boden haben, leiden am meisten die Ärmeren und die Minderheiten.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, mit allen demokratischen Institutionen und Organisationen, die gegen die Gewalt sind und die Organisationsfreiheit der Aleviten unterstützen, zusammenzuarbeiten, auch im Kampf gegen all die rassistischen, faschistischen und Scheriat- gesinnten Personen und Organisationen.
Die Aleviten leben in der Türkei mit allen Volksgruppen miteinander. Es gibt dazu keine andere Alternative. In diesem Sinne muß jeder Kampf unterstützt werden, damit unser Land ein modernes demokratisches Land ist, in dem keine friedlichen, die Menschenrechte achtenden Personen wegen ihrer Meinung und ihres Glaubens unterdrückt werden.
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Demokratie ist der Name eines Systems, in dem die Minderheiten ihren Glauben, ihre Gedanken, ihre politischen Ansichten und Verständnisse frei entfalten und ihr Anderssein verteidigen können, in dem der Pluralismus lebt und die Menschen trotz Unterschiede in Sicherheit leben. Diese Auffassung bildet die Grundlage der Alevitenorganisation. Daher ist die Hauptforderung unserer Organisation eine Demokratie, in der die Zusammensetzung und das gemeinsame Leben unterschiedlicher Glauben und Meinungen möglich sind. Die Demokratie ist für uns NICHT das Mittel und Werkzeug, um die Menschheit zur Finsternis des Mittelalters zu führen, - wie manche dies tun -, SONDERN ein Ziel als Lebensform.
Die AABF sieht das Mosaik von verschiedenen Völkern, Glauben und Kulturen in Anatolien als Reichtum an. Sie legt großen Wert auf den Schutz dieser Werte. Sie bestrebt sich , daß die Türken, Kurden und andere Volksgruppen brüderlich und freiwillig, in Frieden und Freiheit gleichberechtigt zusammenleben. Sie ist gegen den Krieg, der unser Land zum noch größeren Unglück stürtzt, sie ist auch gegen die Politik, die die Kriege als Lösung ansieht. Sie unterstützt friedliche Lösungen, und ist gegen den Rassismus und Nationalismus.
Die Auffassung der AABF über den Frieden.
Der Schutz und die Lebensfähigkeit des Alevitischen Glaubens, das menschenwürdige Leben der Aleviten in Sicherheit, das alles hängt davon ab, daß die Demokratie und der Frieden in unserem Land einen festen Boden haben. Solange der Frieden nicht sicher ist, kann für niemand ein sicheres Leben gewährleistet werden. Wir, die Aleviten wollen, daß unsere Kinder mit den Werten: „Wissenschaft (wissenschaftlich), Vernunft (vernünftig), Menschenliebe (menschlich)“ ausgestattet aufwachsen (erzogen werden). Wir wollen, daß unter unseren Staatsbürgern statt Krieg, Gewalt und Haßgefühle; Liebe, Solidarität und Freundschaftsgefühle herrschen.
Die Auffassung der AABF über den Laizismus.
Laizismus ist die Übergabe des Glaubens an die zivilisierten Menschen. D.h. der Glaube ist eine persönliche Angelegenheit. Daher ist der Laizismus der Grundstein der Demokratie. Philosophisch gesehen ist der Laizismus die Freiheit des Denkens. Mit anderen Worten, es darf keine Idee, kein Gedanke als Diskussionsthema ausgeschlossen werden. Ein laizistischer Staat muß sich allen Glaubensrichtungen gegenüber neutral verhalten. In diesem Sinne sieht die AABF das Prinzip des Laizismus in einem Staat als einen der Grundsteine der Demokratie und der Glaubensgemeinschaften an.
Die Auffassung der AABF über die Überlegenheit der Arbeit.
Arbeit ist der wichtigste Grundfaktor zur Entwicklung des Menschen und seiner Fähigkeiten. Arbeit verkörpert die Fähigkeit des Menschen zum Schaffen und das Schöne im Menschen. Arbeit ist die Eigenschaft, die den Menschen zum Menschen macht. Die Aleviten schätzen „Arbeit“ hoch; sie haben Achtung vor Tätigkeiten, die mit Arbeit zusammenhängen und vor arbeitenden Menschen. Die Alevitische Lehre lehnt jeder nicht verdiente Vorteil ab. „ Nimm nichts weg, was Du nicht mit eigenen Händen hingelegt hast!“ Die Alevitische Organisation unterstützt den Kampf der Gewerkschaften und anderer Institutionen, damit die Arbeiter den Gegenwert ihrer Arbeit erhalten. Sie betrachtet sich als natürlicher Teil dieses Kampfes.
Die Auffassung der AABF über die Organisationsfreiheit.
Die AABF ist kein Anhänger, auch kein Vertreter eines Staates, einer Nationalität, einer Klasse, einer Partei und einer Interessentengruppe. Daher arbeitet sie nur in Richtung der Interessen der Aleviten vollkommen unabhängig für eigene Prinzipien und Ziele.
Der Platz der AABF im demokratischen Kampf.
Die Forderungen der Aleviten, von der Anerkennung ihrer Identität bis zur Verwirklichung des Laizismus, sind demokratische Forderungen. Diese Forderungen, wie sie inhaltlich und formal auch formuliert werden, resultieren aus demokratischen Fragen politischer Natur. Die AABF ist sich bewußt, daß sie zur Verwirklichung ihrer Forderungen eine politische Kraft darstellen muß. Die AABF weiß wohl, daß die Aleviten betreffenden Fragen mit denen der anderen Bevölkerungsschichten und des Landes zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Von dieser Tatsache ausgehend definiert sich die AABF und bezieht ihre Stellung. Sie macht zu ihrem Prinzip, von allen demokratischen und rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch zu machen, damit ihre Forderungen verwirklicht werden.
Die Auffassung der AABF über das kulturelle Leben.
Die kulturellen Fragen betreffen nicht nur die Aleviten. Es sieht so aus, daß eine zerstörerische Tendenz die Oberhand gewinnt, die den Menschen von der Gesellschaft und von der Natur entfremdet, die menschlichen Beziehungen zu Gewalttaten (Ellenbogengesellschaft) ausarten läßt.
Die uns in erster Linie interessierende Seite des Problems ist die Mißachtung der Alevitischen Kultur und die Ungerechtigkeiten ihr gegenüber. Das bis heute überlieferte Kulturgut der Aleviten -„şiir, saz, semah“ (Gedicht, Musik, Tanz)- wird in der Türkei entweder verzerrt oder verfälscht. dargestellt. Das gemeinsame Problem der Aleviten und anderer demokratischen Kräfte in der Türkei ist der Kampf gegen die Kulturverluste u. -fälschung, Kampf für den Schutz u. Entwicklung der regionalen wie universalen Werte.
Wir wollen uns ein „multikulturelles“ Leben zum Ziel setzen, in dem die universalen und humanen Seiten all der ethnischen und religiösen Kulturen in der Türkei geschützt werden. Bei der Verfolgung des Zieles zur multikulturellen Gesellschaft dürfen die humanen und rationalen Elemente nicht abstrakt, vom täglichen Leben isoliert betrachtet werden, ganz im Gegenteil, es ist erforderlich, die pluralistische Demokratie, den Frieden, die Freiheit, die Menschenrechte schützend und dauerhaft fördernt zu kämpfen.
Die in den Krisenzeiten in Erscheinung tretenden Phänomene wie Hoffnungslosigkeit, Skepsis und Haltlosigkeit veranlassen einen, die Werte wieder zu entdecken, die die Menschheit seit Jahrhunderten mühevoll destillierend geschaffen hat. Denn, in solchen Perioden ist die Kulturerbe der Menschheit die einzige Quelle zum Halt. Die AABF tritt für diese Kulturerbe ein.
Die Voraussetzung zur Förderung der Kultur ist die Aneignung des Wissens durch Bildung. Die Aleviten wollen eigene Kultur auf zukünftige Generationen übertragen und andere Menschen an ihrer Kultur teilhaben lassen. Sie wollen ach, daß andere ihre Kultur achten. Sie wissen aber auch, daß dies nur möglich ist, wenn sie ihre eigene Geschlossenheit sicherstellen und ihre Kultur in dieser Geschlossenheit pflegen und weiterentwickeln. Aus diesem Grunde ist die Bildung das wichtigste Feld, auf dem die Alevitische Lehre ausbreitet werden kann, und unsere Arbeiten intensiviert werden müssen.
Die Auffassung der AABF über die Bildung.
Das Bildungsproblem der Aleviten in der Türkei resultiert nicht nur aus Niveaulosigkeit und Qualitätsmangel, mehr noch auch daraus, daß die Aleviten sozial nicht gleichgestellt sind. Wir, die Aleviten, wissen, daß unterschiedliche Volksgemeinschaften in unserem Land leben und keine dieser Gemeinschaften ihr Land verlassen kann. Daher sind wir gegen eine Bildung, die die Menschen voneinander trennt und gegeneinander verfeindet, sondern für eine Bildung, die die Menschen zusammenbringt, ihre Unterschiedlichkeit zueinander deutlich aufzeigt und diese Unterschiedlichkeit akzeptieren lehrt.
Ein in der Türkei reformiertes Bildungssystem muß vor allem garantieren, daß Kinder aus jeder Volksgruppe, jedem Glauben, jeder Kultur gemeinsam lernen können. Dies ist aber nur möglich, wenn all die oben erwähnten Gruppen gleiche demokratische, soziale, politische und juristische Rechte haben. Andernfalls wäre es unvermeidlich, daß die bisher gemachten Fehler auch in der Bildung ihre Folgen haben.
Die von der staatlichen Verwaltung unterstützte Propaganda des Sunnitentums als Pflichtfach muß so schnell wie möglich aufhören. Diese Vorgehensweise hinterläßt bei der Bildung der Kinder nicht sunnitischer Menschen (Alauiten u. andere) tiefe Spuren und stellt ein großes Hindernis für den inneren Frieden des Landes dar.
Die Forderungen oben gelten auch für Europa, wo wir leben. Man muß dafür kämpfen, daß die Minderheiten hier gleiche Bildungschance haben. In diesem Sinne, Deutschland an erster Stelle in ganz Europa muß die Alevitische Lehre im Europäischen Bildungssystem ihren festen Platz haben.
Halte dich vom Ungebildeten Fern, dem Gebildeten nahe;
Das Wort des Ungebildeten hat keinen Sinn, fühl dich nicht gekränkt.
Selbst, wenn du klein bist, sei mutig und tapfer,
Auch kleine Ursachen können große Wirkungen haben.
                                                                      Pir Sultan Abdal
 7) Die Frau im Alevitentum.
 Im Alevitischen Glauben gibt es keinerlei Unterdrückung der Frau. Alevitische Frau ist je nachdem Mutter, Liebe, Partnerin, und Schwester. Im Gegensatz zum Brauch der Sunniten gibt es keine Vorschrift zum Schleiertragen. Auch den Zwang zum Kopftuch gibt es nicht. Sie können ohne Kopftuch an den Versammlungen teilnehmen, 12 Hizmet (12 Dienste) verrichten. Sie können bei allen Lebensbereichen mitbestimmen. Die Frauen können völlig frei ihre Meinung äußern, an den Diskussionen teilnehmen und Kritik ausüben. In der Geschichte gab es zahlreiche Ozan (Volksmusikerinnen), Şair (Dichterinnen), Philosophinnen und sogar Führerinnen von Alevitischen Frauen. Die Alevitenfrauen haben in Anatolien den Verein mit dem Namen „Bacıyan“ gegründet, womit sie auch im gesellschaftlichen Kampf aktiv ihren Platz genommen haben.
Im Alevitentum ist die Heirat gleichzeitig mit mehreren Frauen verboten. Diejenigen (Männer), die sich von ihren Frauen ungerechterweise trennen, werden als „düşkün“ (ausgestoßen) gestempelt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen.
Heutzutage arbeiten unsere Frauen verantwortungsvoll in jedem Lebensbereich. Die Aleviten-Frauen würden ihren Status in der Gesellschaft in dem Maße verbessern, wie sie sich an den Aktivitäten der Organisation beteiligen. Der erste Schritt in dieser Richtung sollte auf dem Bildungsbereich getan werden. Auch die Lösungen frauenspezifischer Probleme wären durch die Bildungsarbeit leichter. Dieser Kampf macht gleichzeitig das Engagement der Männer erforderlich.
 Laßt den Frauen eine gute (Aus)Bildung zuteil werden ! Hacı Bektaş Veli
 8. Die AABF und die Jugend.
 Für die Zukunft der Alevitischen Gesellschaft ist die Jugend die wichtigste Kraft. Sie ist der Garant der Gesellschaft.
Die AABF strengt sich an, daß die Alevitische Jugend im Sinne der Alevitischen Lehre und Glauben laizistisch, demokratisch und modern erzogen wird.
Die AABF unterstützt die Alevitischen Jugendlichen bei der Organisation wie „Alevitischer Jugendverein in Europa“ und „Alevitischer Schülerverein in Europa“. Die AABF macht sich das Prinzip zu eigen: „Die Jugendlichen sollen sich um eigene Probleme auch selbst kümmern können“. Die AABF soll die Voraussetzungen schaffen, daß die Jugendlichen diese Verantwortung übernehmen,.
Die AABF soll sich bemühen, eine tolerante Athmosphäre für die Jugendlichen in ihren Organisationen zu schaffen. Die AABF soll die Alevitischen Jugendlichen dazu animieren, sich für die Probleme hier zu interessieren und am Gesellschaftsleben zu beteiligen.
 Die Ziele der Jugendarbeit sollen mit denen der AABF identisch sein und die Jugend soll in diesem Sinne ein Arbeitsprogramm aufstellen.
Kadılar, Müftüler fetva yazarsa,
İşte kement, işte boynum, asarsa,
İşte hançer,işte kellem, keserse,
Dönen dönsün, ben dönmezem yolumdan. (Pir Sultan Abdal)
 Erläuterungen: Kadi: der Kadi; Richter, der nach dem Scheriatrecht richtete (damals), Müftü: der Mufti; geistlicher Würdenträger, der religiöse Rechtgutachten (Fetva) erteilt, Fetva: das Rechtgutachten nach Scheriatrecht, Kement: die Schlinge, Boyun: der Hals; boynum: mein Hals, Kelle: der Kopf; kellem: mein Kopf, yazarsa: (wenn er schreibt; wenn sie schreiben), yasarsa: (wenn er hängt; wenn sie hängen), keserse: (wenn er schneidet; wenn sie schneiden. Hier: den Kopf abtrennen),Â
Kadis und Muftis sollen Fetwas schreiben,Â
Hier ist die Schlinge, hier ist mein Hals, wollten sie hängen,
 Hier ist der Dolch, hier ist mein Kopf, sollten sie schneiden (abtrennen)
 Wer will, soll umkehren, ich gehe meinen Weg weiter!
  Pir Sultan Abdal
9) Die Meinung der AABF über andere Glaubensrichtungen und Völker.
 Im Zentrum des Alevitischen Glaubens herrscht der Vorsatz: „72 Nationen sind Eins. So viel wie: Alle Menschen sind gleich.“ Die Aleviten haben in Vergangenheit wie heute gegen kein Volk, keinen Glauben feindliche Gefühle gehegt, im Gegenteil, sie haben bevorzugt, brüderlich miteinander zu leben.
Die Schaffung eines Projekts ist notwendig, das auf der Basis der Gleichberechtigung das brüderliche Zusammenleben der Völker und Glauben im Gefüge des Mosaiks in Anatolien unterstützt; die Politik der Vernichtung, Verleugnung und der Assimilation ablehnt; die pluralistische Gesellschaft befürwortet und schützt. Das Alevitentum lehnt es ab, die ihm nicht ähnelnden, Andersartigen (Sunnitentum, Judentum, Jesidentum, u.a.) mit Gewalt zu verändern. Die Alevitische Philosophie sieht vor, daß die Völker und Glauben so angenommen und akzeptiert werden, wie sie sind.
Sei dem Geschöpften gegenüber tolerant, wegen dem Schöpfer! Yunus EmreÂ
 In diesem Sinne muß das kurdische Volk in unserem Lande das Recht haben, seine eigene Identität und Kultur zu schützen und am Leben zu halten.
Die Alevitische Lehre lehnt das Scharia(trecht), den Rassismus und Nationalismus ab; sie bekämpft sie. Sie ist von daher betrachtet pluralistisch, friedlich und universal.
 10) Die Vorstellung der AABF über die Türkei.
 Das soziale, religiöse, nationale und kulturelle Mosaik in Anatolien ist für jeden ein Reichtum. Die AABF tritt dafür ein, daß sich alle demokratischen Kräfte, entsprechen diesem Reichtum unseres Landes, zusammentun, und statt Konflikte vertiefen, auf der Basis der Gleichberechtigung frei und brüderlich zusammenleben.
Die AABF ist gegen die Politik, die den Nationalismus, Rassismus und die Verleugnung befürwortet und die Andersartigen mit Gewalt assimilieren will.
 Diesen negativen Erscheinungen entgegenzuwirkende Gesellschaftskraft –und ihr Projekt- ist gleichstellend, freiheitlich, multiethnisch und multikulturell zu sein. In einem solchen durch die Rechtsmittel zu schützenden Projekt können die Volks- und Glaubensunterschiede nebeneinander existieren und gemeinsam leben.. So ein Projekt ist der Garant für die Einheit (Unteilbarkeit) der Türkei.
Die Aleviten wollen die Teilung der Türkei NICHT; sie wollen mit allen (Glaubens- und Ethnischen-) Gruppen gleichberechtigt und frei zusammenleben. Die Aleviten haben keinerlei Gebiets- und Fahnenprobleme. Das bedeutet konkret:
 Es muß eine laizistisch-demokratische Türkei geschaffen werden.
11) Die Grundhaltung der AABF zum Umweltproblem.
Der Planet, auf dem wir leben, rächt sich dafür, daß die Menschen mit ihm nicht sorgfältig umgehen. Die unverantwortliche Ausbeutung der Naturschätze (die Vernichtung der Wälder, Verschmutzung der Wässer, chemische Vergiftung der Umwelt,...) wirft heute dermaßen große, nicht ohne weiteres lösbare Probleme auf, daß die Frage gestellt werden muß, ob die Lebewesen in Zukunft auf diesem Planeten noch existieren und entfalten können.
 Wenn die Umweltzerstörung nicht gestoppt wird, wird uns alles vergiften, von der Luft, die wir einatmen, bis zum Wasser, das wir trinken. Dies ist die gemeinsame Frage aller Menschen auf der Welt, auch die der Aleviten. Da die Zukunft des Planeten, auf dem wir leben, auch unsere Zukunft bedeutet, müssen wir ihn schützen und mit seinen Schätzen sorgsam umgehen.
Nach Alevitischem Glauben ist der Mensch „ das vollkommenste, schönste Geschöpf“. Er wird für den Schutz der Natur verpflichtet. Alles in der Natur was der Mensch zum Leben benötigt, wird als Gottessegen betrachtet.
 Schätze die Gottessegen richtig, mach von ihnen nur zum Guten Gebrauch!
                                                                                                                     Hz. Ali
Die Alevitenorganisation bemüht sich, mit allen Umweltinstitutionen und Organisationen auf diesem Gebiet zusammenzuarbeiten, ihre Mitglieder über gesunde Umwelt und Umweltschutz zu informieren. Sie animiert ihre Mitglieder, in den Umweltorganisationen aktiv mitzuwirken.
Aufrüstung mit chemischen Waffen, Kriege, wo sie auch sind, gehen die ganze Welt, auch uns an. Das Aufrüsten, -Kriegführung-, irgend eines Landes, gleichgültig wie weit es von uns auch sein mag, hat auf uns auf vielerlei Art Einwirkung. Wenn wir in Sicherheit und Frieden leben wollen, müssen wir uns gemeinsam (die Weltgemeinschaft) darum bemühen, Kriege zu hindern.
Aus diesem Grunde dem Weltfrieden beizutragen und dafür zu sorgen, daß die Aleviten in den Organisationen -wie Kriegsgegnern, Umweltschutz - aktiv mitarbeiten, gehört zu den Hauptaufgaben der Alevitenorganisation.
12) Die Forderungen der AABF an die Türkei
Damit ihre unten aufgezählten Forderungen verwirklicht werden können, möchte die AABF mit den Alevitenorganisationen in der Türkei zusammenarbeiten.
1)     Das Alevitentum muß gesetzlich und verfassungsrechtlich anerkannt werden. Die Rechte der Glaubens- und Volksminderheiten müssen unter Verfassungsschutz gestellt werden.
2)     Das Haci Bektas Kloster (Dergah) soll nicht mehr als Museum verwendet werden. Es muß möglichst schnell den Aleviten übergeben werden.
 3)     Das Amt für das Religionswesen (Diyanet İşleri Başkanlığı) in der Türkei muß abgeschafft werden; ein vollkommen laizistischer Staat muß verwirklicht werden.
 4)     Der Staat muß garantieren, daß die religiöse Institutionen frei gebildet werden können.
5)     Jede religiöse Institution muß von den Menschen finanziert werden, die sie gründen und betreiben.
6)     Jede religiöse Institution soll ihre Verwaltungsangelegenheiten selbst definieren können.
7)     Der Religionsunterricht muß als Pflichtfach abgeschafft werden, statt dessen muß ein Fach unter dem Namen „Religionskultur und Religionsgeschichte“ eingeführt werden, in dem alle Glaubensrichtungen gleichermaßen behandelt und bekannt gemacht werden.
8)     Gegen die Aleviten gerichtete schriftliche und visuelle Verleumdungen, falsche Behauptungen, unwahre Beschmutzung, Anschwärzen u.ä. müssen unterbunden und diejenigen bestraft werden, die solche Klatschgeschichten erfinden und verbreiten.
 9)     Die heiligen Tage der Aleviten wie Muharrem Orucu (Faßten im Monat Muharrem. Muharrem= 1. Monat des Mondjahres im Islam.), Aşure (...) müssen der Öffentlichkeit bekannt gemacht und wie den anderen religiösen (Feier-) Tagen auch diesen offizielles Statut zuerkannt werden.
 13) Die Forderungen der AABF an Europa.
In den letzten 40 Jahren sind mehr als 20 Millionen Menschen Nach Deutschland und in die anderen europäischen Länder ausgewandert und dort ansässig geworden. In Deutschland leben mehr als 7 Millionen Emigranten.
 Wir stellen fest, daß die Emigranten in den Einwanderungsländern nicht willkommen geheißen werden und ihnen besonders in Deutschland viele Grundmenschenrechte einschließlich des aktiven und passiven Wahlrechts vorenthalten werden. Für den inneren Frieden der Gesellschaft ist es unbedingt notwendig, daß die gegen Emigranten gerichteten Gesetze abgeschafft werden, die unterschiedliche und ungerechte Behandlung zulassen. Die Emigranten gegen ungerechte Behandlungen und rassistische Angriffe schützenden Gesetze müssen gemacht werden.
Vor allem den jüngeren Generationen muß das Zugehörigkeitsgefühl vermittelt werden, in dem geeignete Projekte und Voraussetzungen geschaffen werden. Dies wird für das jeweilige Land zweifellos ein großer Gewinn und Reichtum bedeuten. Die Europäer müssen endlich diese Tatsache einsehen und danach handeln.
 Das Alevitentum ist schon ein Kulturgut im europäischen Kulturgefüge geworden. Da multikulturell Sein Reichtum und Schaffenskraft bedeutet, muß das Alevitentum unterstützt werden. Die Kenntnisse und Unterstützung der Alevitischen Kultur können zur Verbreitung und Befestigung der gegenseitigen Toleranz unter den verschiedenen Glaubensrichtungen und ethnischen Gruppen beitragen.
 Die Grundprinzipien des Alevitischen Glaubens und die Reichtümer der Alevitischen Kultur sollen in den Schulen der jeweiligen Länder in Europa im Rahmenplan als Wahlfach Religionsunterricht oder integriert dem Fach "„Religion und Ethik", nicht nur den Alevitenkindern, sondern auch den anderen angeboten werden.
Die Experten für Turkologie, Islam und mittleren Osten könnten an den Universitäten und anderen Institutionen Abhandlungen über das Alevitentum schreiben und dadurch zur objektiven Bekanntmachung des Alevitentum beitragen.
 Die Stadtgemeinden müßten den Aleviten bei der Herrichten von Cem-Häusern in ihren Bezirken behilflich sein.
 In den Studien und Veröffentlichungen über die religiösen Angelegenheiten der Menschen aus der Türkei müssen dem Alevitentum und anderen Glaubensrichtungen gleichen Platz eingeräumt werden wie dem Sunnitentum.
Die Alevitenorganisationen, die die gesetzlichen Auflagen erfüllen, müssen als Religionsgemeinschaften anerkannt werden.
In Europa müssen Radio- und TV-Sendungen über das Alevitentum ausgestrahlt werden.
Für alle Emigranten tritt die AABF außer den oben aufgeführten Forderungen noch für folgende Punkte ein:
1) Niederlassungsrecht;
2) Recht auf Einbürgerung,
3) Aktives und passives Wahlrecht,
4) Gleichbehandlung in Bildung und Erziehung,
5) Recht der Jugendlichen auf Ausbildungs- und Arbeitsplatz,
6) Berücksichtigung des Alevitentums im Fach „Religion und Ethik“ an den Schulen.,
7) Recht auf Erlernen der Muttersprache.
Die AABF arbeitet mit allen Organisationen, Institutionen, Gesellschaften und Parteien zusammen, die den Frieden und Brüderlichkeit hervorheben.
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