VON: STIMME DER ALEVITEN
Die Produzenten des Films „Wem Ehre gebührt“ hätten bei etwas mehr Sensibilität erkennen müssen, dass mit der konkreten Handlung Vorurteile gegen die alevitische Gemeinschaft wieder belebt werden- einerlei ob dies nun beabsichtigt war oder nicht.
An den Vorsitzenden
der Alevitischen Gemeinde Darmstadt und Umgebung e. V.
Sehr geehrter Herr Kaya,
Ihnen und der ganzen alevitischen Gemeinde Darmstadt wünsche ich ein gutes neues Jahr.
Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen und Ihnen für ihre Arbeit im vergangenen Jahr danken. Die Alevitische Gemeinde Darmstadt ist eine große Bereicherung für das religiöse und kulturelle Leben in unserer Region. Deshalb kann ich es umso besser verstehen, dass Sie sich durch die „ Tatort“ – Episode „Wem Ehre gebührt“ , die von der ARD am 23.Dezember 2007 ausgestrahlt wurde, in Ihren religiösen Überzeugungen und Empfindungen verletzt fühlen. Auch wenn im Vorspann des Films darauf hingewiesen wurde, dass die Handlung fiktiv sei, so hätten die Produzenten bei etwas mehr Sensibilität und etwas besserer Recherche erkennen müssen, dass mit der konkreten Handlung Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft wiederbelebt werden- einerlei ob dies nun beabsichtigt war oder nicht.
Wir alle müssen aus diesem Vorfall lernen, dass das Fernsehen- sei es öffentlich oder privat- noch umsichtiger bei seiner Programmgestaltung vorgehen muss. Als Mitglied des ZDF- Fernsehrates werde ich meinen Teil gerne dazu beitragen und das Thema auf einer nächsten Sitzung des Fernsehrates ansprechen, auch wenn es sich bei dem Rede stehenden „Tatort“ um eine Sendung der ARD handelt.
Auf ein Zusammentreffen mit Ihnen und Ihrer Gemeinde bei dieser oder jener Gelegenheit im Jahr 2008 freue ich mich und bin für heute mit den besten Grüssen an alle Gemeindemitglieder.
Ihre Brigitte Zypries
Berlin, 16.Jahuar 2008