Aleviten fördern die interreligiöse Verständigung
Die Alevitische Gemeinden Deutschland e. V. (AABF), Köln, führt 2005 im Rahmen des Aktionsprogramms „Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“. ENTIMON – gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus“ das Projekt „Interreligiöse Verständigung“ durch.
 WARUM?
Der Islam ist heute in Deutschland mit 3,2 Millionen Angehörigen die drittgrößte Religionsgemeinschaft, darunter 600.000 Aleviten. Moscheevereine und alevitische Gemeinden sind wichtige religiöse Zentren in unseren Städten und haben sich zu relevanten Trägern sozialer Dienste für Muslime entwickelt. Die Zusammensetzung muslimischer Bevölkerung in Deutschland ist sehr heterogen. Dies ist der deutschen Öffentlichkeit nicht differenziert genug bekannt. Es ist Fakt, dass die Aleviten aus der Türkei unter Muslimen subsumiert werden, deren Religionsausübung sich aber von der, der sunnitischen unterscheidet, weil sie u.a. grundsätzlich die Scharia (islamisches Gesetz) ablehnen. Trotz des gemeinsamen islamischen Ursprungs sunnitischer und alevitischer Lehre hindern alte und neue Vorurteile eine reelle Verständigung zwischen den Aleviten und Sunniten in Deutschland. Obwohl diese Vorurteile ursprünglich aus der Türkei und der türkischen Gesellschaft stammen, haben sie durch die traditionelle Erziehung von türkischen Jugendlichen, Einzug nach Deutschland gefunden. Durch die Weitervermittlung dieser Vorurteile an Jugendliche der zweiten oder dritten Generation, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, werden die alten interkonfessionellen Konflikte automatisch in unsere Gesellschaft transportiert. Deshalb braucht die Öffentlichkeit ausführliche Aufklärung über einen differenzierten Islam, damit interkonfessionelle Kontakte und interreligiöse Verständigung zwischen Aleviten und Sunniten stattfinden kann.
Ziele
·                                 Das Leitziel des Projekts ist zum einen die Verständigung zwischen alevitischen und sunnitischen Jugendlichen in Deutschland zu fördern, zum anderen Kompatibilitätsmöglichkeiten zwischen dem Islam und der Demokratie herauszufinden. Das Projekt soll dazu dienen, den beteiligten Jugendlichen einen tieferen Einblick in die eigene Konfession und in die des Anderen zu erhalten und dadurch das gegenseitige Verständnis zu fördern. Dabei soll auch das Zugehörigkeitsgefühl der Jugendlichen zu Deutschland geweckt werden.
Aus dem Ergebnissen des Projektes können Lehr- und Lernmaterialien für Multiplikatoren wie z. B. Lehrer und Sozialarbeiter erarbeitet werden.
Das Projekt trägt damit bei, differenzierte Informationen über die Glaubens- und Wertevorstellungen der Aleviten und Sunniten aufzuzeigen und der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden.
Schwerpunkte
·         Erstellung einer Synopse:
Themen wie Gottesverständnis, Menschenbild, Geschlechterverhältnis, interreligiöse Eheschließung, interreligiösen Dialog, Anerkennung anderer Glaubensgemeinschaften, Stellung zur religiösmotivierten Gewalt, aus der sunnitischen und alevitischen Sicht erfasst
·         Interviews mit Multiplikatoren
Befragt werden Experten aus alevitischen und sunnitischen Gemeinden über interreligiöse Verständigung, um ihre Einflussmöglichkeiten auf die Jugend festzustellen.
 ·         Zwei Workshops
Sunnitische und alevitische Jugendlichen sollen an einem Planspiel die gegenseitigen Vorbehalte und Vorurteile an dem Beispiel „Eheschließung“ austauschen. Die Erfahrungen werden in den Workshops in die Synopse eingearbeitet
Zielgruppen
 Jugendliche sunnitischer und alevitischer Herkunft werden durch eine enge Zusammenarbeit mit den Moscheevereinen in Köln und Mannheim, der türkischen Gemeinde Deutschland e. V. sowie den örtlichen alevitischen Gemeinden erreicht.
Projektlaufzeit:
Ab dem 15.Juni 2005- Ende 2005
Ansprechpersonen
 Güler Buga, Ismail Kaplan und Mürvet Öztürk
Stolberger Str. 317 - 50933 Köln
 Tel.: 0221 / 94 98 56-0 Fax: 0221 / 94 98 56-10
E - mail: info(at)alevi.com Internet: www.alevi.com
 Gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms „Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus