VON: ISMAIL KAPLAN
Projekt der Alevitischen Gemeinde Deutschland
Die Alevitische Gemeinde Deutschland hat ein Bildungsprojekt in den fünf alevitischen Ortsgemeinden gestartet. Um die Kleinkinder bei der Spracherlernung zu fördern, werden Multiplikatoren gebildet und geschult. Sie sollen im nächsten Jahr Mutter-Kind –Gruppen bilden und sie pädagogisch betreuen.
In der Mutter-Kind-Gruppe wird folgende Struktur und Ablauf vorgenommen:
• Einleitung und Begrüßungslied, um die Kinder und Mütter seelisch und körperlich für die Sitzung vorzubereiten.
• Gemeinsames Kindersprachspiel, um die Fähigkeit der klaren Aussprache der Kinder zu fördern,
• beruhigendes Musikstück, um die Konzentration der Kinder und Mütter zu erhöhen,
• Lesung, um die Aufnahmefähigkeit durch eine Geschichte oder ein Märchen zu stärken,
• Auswertung in Anleitung der Fachkraft über die Lesung und erhalten Tipps für zu Hause, Informationen über feine Betonungen, Mimiken, Geste und Anweisungen,
• Entspannung durch Toben der Kinder Raum oder miteinander spielen,
• Schlusslied, das zum Abschied nehmen und zur guten Erinnerung an die Stunde zu schaffen.
Das Projekt „Mutter-Kind Förderung“ wurde in der AABF entwickelt, ein Jahr lang probiert und einschließlich dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Das Ministerium hat dieses Projekt als förderungswürdig eingestuft und für zwei Jahre (2008-2009) genehmigt.
Wir zitieren für unsere Leserinnen und Leser aus der Projektbeschreibung folgende Bereiche:
„Die Besucherinnen und Besucher unserer Gemeinden klagen immer wieder über ihre Unfähigkeit, aktiv am Leben in Deutschland teilnehmen zu können. Diese Unfähigkeit führt vor allem auf fehlende Sprachkompetenz der Migrantinnen in Deutschland zurück. Daher ist die Vermittlung der deutschen Sprache eines unserer Hauptziele als Dachorganisation, um unseren Mitgliedern und Besuchern eine Hilfestellung bei der Integration zu leisten.
Auch wissenschaftliche Analysen und praktische Erfahrungen mit Migrantenkindern belegen die besondere Bedeutung einer auf die Integration Wertlegenden Erziehung der Kinder mit Migrationshintergrund im Vorschulalter. Darauf wird sowohl im Nationalen Integrationsplan des Integrationsgipfels der Bundesregierung als auch im Programm Integrationsoffensive des Landtages NRW in 2001 betont.
Nicht nur Erwachsene Migranten sondern auch ein Teil der Jugendlichen mit Migrations-hintergrund sind leider sprachlich nicht gewandt und fähig, an dem gesellschaftlichen Geschehen teilzuhaben.
In der alltäglichen Begegnung mit Migrantenjugendlichen findet oft ein oberflächlich umgangssprachlicher Austausch über die Lebenswelt von Migranten statt. Bei einer näheren Nachfrage entdeckt man ein Kommunikationsproblem, das sich als eine Art „Sprachlosigkeit“ aufzeigt. Migrantenkinder haben erhebliche Schwierigkeiten ihre Interessen, Wünsche und Begehren in deutscher Sprache zu verbalisieren, falls sie sprachlich nicht frühzeitig gefördert wurden. Ihnen fehlt das Ausdruckvermögen abstrakte Themen zu artikulieren oder komplexe Satzstrukturen zu verstehen, was für eine qualifizierte Diskussion nötig ist. Kinder können in der Familie sprachlich oft nicht genug gefördert werden, weil u. a. ihre Mütter im Laufe den letzten Jahren nachgezogen sind und kein ausreichendes Deutsch gelernt haben oder sie nicht über die Kenntnisse zur emanzipatorischen Erziehung verfügen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Sprache in dem Kleinkindalter spielerisch und mit großem Schritt gelernt wird. Um die Chancengleichheit der Migrantenkinder in der Schule und Ausbildung zu erhöhen, ist es nötig, sie im Vorschulalter bzw. vor dem Kindergartenbesuch sprachlich zu fördern.
Ziele des Projekts:
Das Ziel des Projekts ist die Kinder mit Migrationshintergrund frühzeitig zu fördern, um ihnen eine solide Grundlage für die Bildungskompetenz und interkulturelle Kompetenz zu schaffen.
Es ist beabsichtigt, zum einen die geeigneten Personen, die sich mit der Erziehung beschäftigen, durch Schulungen dazu zu befähigen, erfolgreiche und interkulturelle Erziehung führen zu können. Zum anderen ist das Ziel, sowohl kognitive als auch motorische Fähigkeiten in den Mutter-Kind – Gruppen bei den Kindern zu stärken.
Dazu wird eine Gruppe von Personen gebildet und sie fortgebildet. Danach werden diese Personen als Leiterinnen in den Mütter-Kind-Gruppen eingesetzt.
Zielgruppen:
1. Erzieherinnen und Personen, die im Bereich Erziehung tätig sind,
2. Kinder im Vorschulalter und ihre Mütter mit Migrationshintergrund
Realisierung des Projekts:
1. Schulung der Erzieherinnen und erzieherischen Personen (Oktober 2008)
Eine Gruppe von Erzieherinnen und Personen wird für die Vermittlung und Kennen lernen interkultureller Erziehungsmerkmale gebildet und sie werden in mehreren Fortbildungs-maßnahmen für eine spezifische Erziehungsmaßnahme geschult. In der Zeit werden die nötigen schriftlichen und visuellen Materialien insbesondere über die Lesefähigkeit und Konzentrationsübungen zusammengestellt. Insgesamt 24 Teilnehmern aus den einzelnen alevitischen Ortsgemeinden sollen für die Lesekompetenz / interkulturellen Kompetenz aus-gebildet werden. Diese Multiplikatoren werden in ihrer Gemeinde für die erfolgreiche Erziehung und Bildung der Migrantenkindern sowie für die Durchführung Mutter-Kind Gruppen eingesetzt.
Zweite Veranstaltung: (Dezember 2008)
In der zweiten Schulung sollen die Teilnehmer die Dimensionen der „Bildungskompetenz der Kinder “ verinnerlichen. Dazu gehören u. a.:
- Prozess der Begriffsbildung bei den Kleinkindern,
- Konzentrationsschwierigkeiten und Gegenansätze,
- Rolle der Musik für die Motorik und für die Verstärkung der Selbstsicherheit
- Konfliktsituationen und Verstärkung der sozialen Kompetenz,
- Verstärkung der Beziehungsfähigkeit
- Übungen und Anwendung anhand der erstellten Materialmappe
- Anwendung der Meinungsbarometer unter den Müttern
Entwicklung der Materialien für die Mutter-Kind-Gruppen (September- Dez. 2008)
Parallel zu den Schulungen werden Materialien entwickelt bzw. Zusammengestellt, die in den Mutter-Kind-Gruppen eingesetzt werden. In dieser Mappe sollen die Ziele und die Organisation der Mutter-Kind Gruppe erläutert werden. Darüber hinaus sollen auch Materialien wie Kinderlieder, Kindergeschichten, Spielanleitungen, Vorschläge für die Raumgestaltung nach einer festgelegten Struktur in die Mappe eingelegt werden.
2. Bildung und Durchführung der Mutter-Kind-Gruppen:
Die geschulten Multiplikatoren organisieren in ihrer Gemeinde jeweils eine Mutter-Kind Gruppe mit den Müttern und Kleinkindern. Die fortgebildeten Multiplikatoren werden im Jahr 2009 in den Mutter-Kind Gruppen eingesetzt.
Multiplikatoren sollten Eltern und Kinder in der jeweiligen Lern- und Spielsituation unterstützen und auf die jeweiligen Fragen und Probleme der einzelnen eingehen können. Voraussetzung dafür ist, Vorstellungen aller Mütter ernst nehmen. Für die Durchführung der Mutter-Kind-Gruppen werden jeweils eine Erzieherin und eine Begleiterin mit der Türkischkenntnis eingesetzt. Die Begleiterin wird von der jeweiligen Gemeinde zur Verfügung gestellt.
Für die Multiplikatoren ergeben sich dabei folgende Aufgaben:
• Sie sorgen für den äußeren Rahmen der Gruppe (Zeit, Raum, Material).
• Sie leiten und begleiten die Gruppen von Beginn an und bis zum Ende.
• Sie beziehen die Eltern als kompetente Partner in diese Prozesse ein.
• Sie sind Ansprechpartnerin für Eltern und Kinder sowie für die Gemeindevorstände.
Als Mutter-Kind-Gruppenraum ist ein heller, freundlicher, möglichst großer Raum geeignet. Es ist wichtig, dass der Raum viel freie Bewegungs- und Spielfläche bietet, also wenig Mobiliar enthält, eventuell nur Kindertische und- Stühle. Besonders schön sind Matten zum Toben und Ausruhen, Kissen und Kästen. Es ist günstig, wenn die Stunde bei schönem Wetter draußen im Freien in einer ruhigen, kindgemäßen Umgebung durchgeführt werden kann.
In alevitischen Ortsgemeinden dieser 6 Städte wird jeweils eine Mutter-Kind-Gruppen gebildet. Vorbehaltlich werden folgende Städten ausgesucht: Duisburg, Dormund, Köln, Bergkamen und Wuppertal.
In der Mutter- Kind Gruppe werden folgende Ziele bezogen auf die Kinder gesetzt:
• Kinder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung durch vielfältigen Kurzgeschichten, Märchen, Spiele und Lieder kognitiv und motorisch unterstützen,
• Kinder
• Kontaktaufnahme und Beziehungen der Kinder untereinander innerhalb und außerhalb der Gruppensituation ermöglichen,
• Teilen und Beteiligung untereinander praktizieren,
• Kontaktaufnahme der Kinder zu anderen Erwachsenen ermöglichen.
Aber auch sollen die Mütter mit den folgenden Zielen gefördert werden:
• Kontakte knüpfen und Freude erleben mit anderen Kindern und Erwachsenen,
• Geschichten und Märchen in deutscher und türkischer Sprachen kennen lernen und vorlesen können,
• Probleme in der Kindererziehung thematisieren und mögliche Handlungen kennen lernen,
• durch Erfahrungs- und Informationsaustausch in den Bereichen wie Hyperaktivität, Spiele, Ernährung, Tagesrhythmus verschiedene Handlungsmöglichkeiten kennen lernen,
• Vorteile und Formen der Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung von Mädchen und Jungen kennen lernen,
• Vorteile und Möglichkeiten der Zweisprachigkeit kennen lernen,
• Befähigung, das Kind als Individuum anzunehmen und erste Loslösungsprozesse zulassen,
• die Gruppe als vertrauten Ort erleben, in dem sich alle verstanden und begleitet fühlen
• partnerschaftliches Verhalten untereinander einüben.
Selbstevaluation:
Eine systematische Selbstevaluation wird zum Verlauf des Projekts durchgeführt. Dazu sind die Projektstruktur und Kriterien des Projektablaufs u. a. vor Beginn des Projekts festgelegt worden.
Am Anfang sollen die Schritte im Projekt, Leistungen der Mitarbeiter mit Umfang beschrieben und in einer Zeitleiste standardisiert werden. Die Leistungen der Erzieherinnen sollen durch Leistungsvereinbarungen beschrieben und festgelegt werden. Sie sind dafür verpflichtet, ihre Leistungen durch die TN- Liste sowie durch die Meinungsbarometer regelmäßig zu erheben und monatlich auszuwerten.
Es wird beabsichtigt, ein Meinungsbarometer bei den Müttern am Anfang und Am Ende der Mutter-Kind-Gruppen erstellt, um die Wirkung des Projekts zu analysieren.
Öffentlichkeitsarbeit:
Das Projekt wird in den Regionalen und den türkischen Zeitungen sowie in der Web-Seite www.alevi.com bekannt gemacht. Die Gemeinden werden über die Ziele und den Ablauf des Projekts informiert. In der zweisprachigen Zeitschrift „Stimme der Aleviten“ werden über die Schulungen der Fachkräfte und Bildung der Mutter-Kind Gruppen berichtet. Das Projekt wird durch ein Team von YOL TV inhaltlich begleitet sowie Berichte werden über den Verlauf des Projekts in Abständen gesendet.
Die entwickelte Materialmappe wird in online der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Perspektiven und Nachhaltigkeit:
Dieses Projekt wird als in Zukunft ein Modell für die Förderung der Kleinkinder mit Migrations-hintergrund fungiert. Die Ergebnisse des Projekts bilden eine solide Grundlage für die Ausweitung der Mutter-Kind-Gruppen in weiteren Kreisen.