VON: ISMAIL KAPLAN
Hıdırellezfest (Khizer-Elias): ein Frühlingsfest der Aleviten
Hıdırellezfest (Khizer-Elias): ein Frühlingsfest der Aleviten
Hıdırellez gehört zu den regelmäßigen Feiertagen und wird von den Aleviten, aber auch von manchen Roma-Gruppen gefeiert. Der Feiertag geht auf ein legendäres Treffen zwischen der unsterblichen mythologischen Gestalt des Hızır und dem alttestamentarischen Elias (auch Ilyas geschrieben) zurück. Dies drückt sich schon im Namen aus, denn Hıdırellez wurde aus den Namen Hızır und Elias gebildet.
Hızır (Chidir, Chadhir, Khizer) ist der unsterbliche Heiliger und der Schutzpatron. Er wird allen in der Not zur Hilfe kommen. Er wird „Eile herbei Hızır!“ gerufen. Aleviten glauben daran, dass die Heiligen Brüder Hızır und Ilyas als Propheten gelebt und das so genannte „Wasser zur Unsterblichkeit“ getrunken haben, um den Suchern und Wanderern auf dem mystischen Pfad zu helfen. Nach diesem Glauben kommt Hızır auf Land und Ilyas auf dem Meer zur Hilfe. Sie würden denjenigen helfen und sie retten, die in Not geraten sind und „von ganzen Herzen“ um Hilfe rufen. Sie bringen den Menschen Glück und Wohlstand. Nach einer Erzählung soll Hızır das erste Mal von Gefährten Noahs zur Hilfe gerufen worden sein und das mit Menschen voll beladene Schiff bei der Seekatastrophe geschützt haben. Nachdem das Schiff die Drei Tage - Katastrophe überstanden haben soll, sollen die Geretteten drei Tage lang gefastet haben, um Hızır ihre Dankbarkeit zu beweisen.
Der Helfer Hızır wird in Anatolien als ein weißbärtiger Mann auf einem Schimmel vorgestellt. Er wird gerufen: „Eile herbei lieber Hızır! „. Im Volksmund wird er Hızır mit dem Schimmel „bozatlı hızır“ genannt und über ihn werden zahlreiche Geschichten erzählt. Hier stellt man eine Ähnlichkeit mit dem amerikanischen Weihnachtsmann Santa Claus fest.
Jedes Jahr wird die zweite Februarwoche als die „Woche von Hızır“ gefeiert. In der Hızır- Woche bereitet man am Abend eine spezielle Speise (kavut) aus Weizen und Wasser vor, die über Nacht ruht. Jedes Familienmitglied wünscht sich etwas Besonderes. Die Vorstellung geht dahin, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen, falls Hızır über Nacht vorbei kommt und ein Zeichen auf dieser Speise hinterlässt. Diese Speise wird am nächsten Tag an den Nachbarn verteilt. Jeder versucht, Speisen von allen Familien zu kosten, damit sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, die Speise zu erwischen, die der Hızır gesegnet hat.
Hızır als Begriff nimmt einen großen Platz im Alltag. Viele Aleviten legen ihre Gelöbnisse im Namen von Hızır ab und bitten um etwas im Namen von Hızır. „Hızır sei Dank“, „Hızır möge kommen“, „Es möge das Mahl von Hızır sein“ u. a. sind einige bekannte Sprüche. In manchen Gegenden wird Kindern, Bergen, Seen, Wegen u. a. der Name Hızır gegeben. Es gibt sogar ein religiöses Semah-Rituale Namens „Hızır semahı“.
Auch in Deutschland bereiten sich die alevitischen Gemeinden für diese Feier vor. Die Räumlichkeiten werden gründlich gereinigt bzw. geputzt. Man glaubt, dass Hızır die ordentlichen und sauberen Orte besucht. Die alevitischen Ortsgemeinden organisieren in Deutschland während der Fastenzeit mindestens ein Gottesdienst (Hızır cemi) in den Cemhäusern, wobei der Hızır- Glaube im Mittelpunkt steht.
In dieser Woche wird von Dienstag an drei Tage lang gefastet. Am letzten Tag wird in der Wohnung und vor der Haustür für die Feier geputzt. Am Abend werden die vorbereiteten Speisen an den heiligen Gedenkstätten bzw. Cemhäusern mit allen Besuchern gemeinsam verspeist. Am Freitagabend werden auf den Friedhöfen in der Umgebung Kerzen angesteckt und zu Hause den Kindern Geschichten von Hızır erzählt.
5/6. Mai: Ein Tag, der die Gläubige glücklich macht:
Nach der Sage treffen sich Hızır (Schutzengel des Himmels) und Ilyas (Elias -Schutzengel der Erde) erst in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai auf der Erde, die in jeder Not wie ein rettender Engel zu Hilfe kommen. Man glaubt, dass Hızır und Ilyas das so genannte Wasser zur Ewigkeit (ab-u hayat) tranken. Aus diesem Glaube heraus bitten viele Menschen an diesem Tag Gott um Gesundheit und Genesung. Am 6. Mai werden verschiedene Teigwaren gebacken und mit den Nachbarn geteilt. Auch in den alevitischen Gemeinden feiern die Besucher das Hıdırellezfest. Die beliebtesten Orte für das Hıdırellez-Fest liegen in der grünen Natur, in der Nähe von Quellen oder auch nah an einem Heiligenschrein. Begleitet werden die Feste von Losspielen, die in der Türkei je nach Gegen unterschiedliche Namen haben. So heißen sie "baht açma", "bahtiyar" oder "mantifar.
Viele alevitische Dichter thematisierten den Glauben an Hızır in ihren Gedichten:
Bete, ein Gast möge uns kommen
Er möge unser Mahl teilen und uns Freude schenken.
Jung und Alt sollen ihn als Hizir erkennen
Liebe Gäste, Herzlich willkommen (Kul Himmet)
Dua edin misafir gelsin bize
Lokmamızı yesin, yüzümüz gülsün
Büyük küçük onu hep Hızır bilsin
Mihman canlar bize safa geldiniz.� (Kul Himmet)
Mein Junge ging zum Ausland
Lieber Hizir, beschütze ihn dort.
Du bist ein Schutzengel hier und da.
Ich flehe dich, beschütze ihn. (Hüseyin Abdal)
Bir yavru yolladim gurbet ellere
Emaneti sana bozatlı Hızır
Size bekçi derler yüce bellerde
Emaneti sana bozatlı Hızır.� (Hüseyin Abdal)